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„Island wirkt auch ohne Bildbearbeitung"

Die Hamburger Fotografin Heike Ollertz ist für die Arbeit an einem „Mare“-Bildband monatelang durch Island gereist. Auf der Suche nach dem etwas anderen Bild der Insel – und nach den Spuren, die die Menschen in die Natur eingeschrieben haben.

Frau Ollertz, Island ist schon so oft fotografiert worden, man meint es ganz genau zu kennen. Was hat Sie am meisten überrascht?

Der Geruch. Ich kannte natürlich viele Islandbilder und wusste, dass es auf den Geothermalfeldern dampft und brodelt, aber dieser Schwefelgeruch hat mich im ersten Moment fast umgehauen. Und natürlich riecht es auch nach Fisch. „Der Duft des Goldes“, sagen die Isländer, weil sie jahrzehntelang vom Fischfang gelebt haben. Abgesehen von den Gerüchen haben mich die Naturgewalten manchmal ziemlich überrascht.

Inwiefern?

Ich war zum ersten Mal im Winter dort und bin in einer Nacht zusammen mit zwei erfahrenen Kollegen raus, um Aurora Borealis, die Polarlichter, zu fotografieren. Es war so stürmisch, dass ich nicht mal mein Stativ aufklappen konnte. Einer der Kollegen hat mir dann einen Gummizug geschenkt. Damit konnte ich mit meinem Körpergewicht das Stativ am Boden fixieren, sonst hätte ich kein einziges scharfes Bild hingekriegt.

Wie hat die Technik die Kälte überstanden?

Ich fotografiere analog im klassischen Landschaftsformat 6x9 Zentimeter mit einer Alpa 12-Kamera, die ist zum Glück nicht ein Mal eingefroren. Aber mein Kollege Edgar Herbst und ich sind gleich in der ersten Woche mit dem Auto aus der Kurve geflogen.

Hoffentlich ist nichts passiert...

Nein, wir blieben unverletzt. Es gab Blitzeis und das Auto fuhr nur noch geradeaus. Ein isländisches Rescue Team hat uns aufgelesen. Danach haben wir alle Warnungen sehr ernst genommen.

Wie sind sie fotografisch damit umgegangen, dass es schon so viele Islandbilder gibt?

Wir haben vorher gescherzt, dass einem die Motive da ja nur so zufliegen und: Wer es da nicht kann, der kann es nicht. Vor Ort sieht alles unglaublich toll aus, aber es fotografiert sich eben auch nicht von alleine. Man muss sich fragen: Was ist so faszinierend daran? Ich war insgesamt dreieinhalb Monate dort, bin 9000 Kilometer gefahren, Fjord rauf, Fjord runter, ein Mal um die ganze Insel, um es zu erspüren.

Und, was war es?

Ich bin natürlich auch zu den Hauptsehenswürdigkeiten gefahren, den Geysiren und den bekanntesten Wasserfällen. Aber mich haben mehr die ganz einfachen Sachen an der Straße interessiert. Ich wollte die Urgewalt dieser Landschaft zeigen, aber auch die Spuren menschlichen Lebens darin. Es kommt einem dort ja wie am Ursprung der Welt vor. Es ist wie eine Zeitmaschine. Auf einem Moosfeld kann man sehen, wie die Kontinentalplatten auseinanderdriften und auf den Geothermalgebieten dampft es wie aus dem Erdkern heraus. Auch die Lavawüsten an der Südküste haben etwas sehr Ursprüngliches.

Dann tauchen auf Ihren Bildern wie aus dem Nebel zum Beispiel Geothermalanlagen auf, die einen auf fast surreale Weise daran erinnern, dass die Landschaft eben nicht ganz so ursprünglich ist...

Ja, es ist faszinierend, in dieser endlosen Landschaft diese futuristischen Industrieanlagen, die Aluminiumwerke und Pipelines zu sehen. Es hat etwas Surreales, aber auch etwas Trauriges, weil es ein krasser Eingriff in die Natur ist. Das wollte ich auch zeigen.

Unter Nordlichtern, bei Sonnenaufgang, in den Weißen Nächten – die Eislagune Jokulsarlon im Südosten der Insel haben Sie in vielen Stimmungen fotografiert. Was hat Sie daran so fasziniert?

Einerseits sieht es aus wie von einem Eiskünstler an den schwarzen Strand hingehämmert, fast unwirklich schön. Andererseits ist es so etwas wie ein Eisfriedhof. Eis, das Jahrhunderte alt ist, kalbt vom Gletscher herab, wird dorthin geschwemmt und wird kleiner und kleiner. In Stunden nur wird dieses uralte Eis zu Wasser. Das Meer holt es sich zurück. Das ist sehr berührend. Und die Nordlichter dort wollte ich unbedingt fotografieren.

Eine Herausforderung?

Viel Recherche, Abwarten und Ausprobieren. Am besten ist die Zeit zwischen Oktober und April, im Sommer ist es zu hell. Es sollte ein Ort ohne Umgebungslichter sein und eine klare Nacht. Am besten bei Vollmond, da gibt es noch ein Restlicht fürs Fotografieren. Ich habe am Anfang immer zu lange belichtet, die Nordlichter wurden zu unklar. Unter space.com kann man sehen, wie stark der Aufprall der geladenen Teilchen des Solarwindes, aus denen die Polarlichter entstehen, auf die Erdatmosphäre war. Ab Stärke 5 kann man sich dann auf die Socken machen.

Und das alles mit ihrer schweren Kamera. Wäre es nicht leichter, digital zu fotografieren?

Für mich gibt es kein Adäquat zu 6x9 mit Weitwinkelobjektiv. Diese Tiefe bekommt man nur analog hin. Da sind acht Negative auf einem Film, das zwingt einen auch zu viel konzentrierterem Arbeiten. Vor allem bei den ständigen Wetterwechseln.

Reizt Sie nicht die Möglichkeit, die Aufnahmen leicht zu bearbeiten?

In Island muss man nichts reindrehen. Es braucht keine Farbregler und auch keine Himmelsfilter. Es wirkt schon so überirdisch, da braucht es keine Bildbearbeitung.

Abgesehen von den schon angesprochenen Industrieanlagen, wie gehen die Isländer mit dieser überirdisch schönen Landschaft um?

Die Sagas, die tradierten Geschichten, sind eng mit der Landschaft verknüpft, genau wie der Glauben an Elfen und Trolle. Island ist durch seinen Fischreichtum und die Fangquoten vom Fischer- und Bauernstaat ins Atomzeitalter katapultiert worden. Bis vor 50 Jahren waren manche Teile der Insel monatelang von der Außenwelt abgeschnitten. Da hat man sich Geschichten erzählt, das lebt immer noch weiter.

Kommt daher auch die Gelassenheit gegenüber Naturgewalten wie etwa beim Ausbruch des Eyjafjallajökull vor zwei Jahren?

Die Isländer leben mit diesen extremen Wetterbedingungen, es ist in ihnen drin. Sie sind ein unglaublich positives und zufriedenes Volk. Katastrophen passieren, aber sie lassen sich alle überwinden, so lautet das Credo. Vergangenes Jahr war ich mit einem Rescue Team oben auf dem Vulkan, nach vier Stunden sind wir durchgeschüttelt oben angekommen mit einem Fahrzeug, das wie ein Panzer war. Oben warnte einer von ihnen, die Erde sei extrem heiß. Kaum hatte er es gesagt, waren die Sohlen seiner Wanderschuhe geschmolzen. Auf der Erde haben sie dann Hot Dogs gebraten.

Sie arbeiten seit Jahren als freie Fotografin. Haben die Bedingungen sich verschärft?

Früher hat man mit einer Mittelformatausrüstung für 20.000 Mark dreißig Jahre lang gearbeitet. Heute kostet eine digitale Alternative inklusive Hardware, Software und Archivierungssystem zirka 40.000 Euro. Außerdem muss das Equipment in viel kürzeren Abständen aktualisiert und aufgerüstet werden. Aber die Honorare werden immer weiter gekürzt. Für den Island-Bildband hatten wir großzügig Zeit und Unterstützung. Aber die Bedingungen in der Branche insgesamt sind nicht gut.

Das Interview führte Daniela Zinser für seen.by im November 2012

Weitere Informationen und Bilder

Homepage: www.heike-ollertz.de

Bildband: Island. Fotografien von Heike Ollertz und Edgar Herbst. Herausgegeben von Nikolaus Gelpke. Mit Texten von Martina Wimmer. Mare Verlag 2012. 144 Seiten, 58 Euro.

Copyright der Abbildungen:

© Heike Ollertz

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