Die Welt zwischen den Pixeln

Als „Weltenspieglerin“ will Doro Lehnen den Betrachtern ihrer Bilder die Welt zwischen den Pixeln zeigen. Zufall und Spontanität spielen in Lehnens Fotografie eine große Rolle, aber auch lange Stunden der Nachbearbeitung, in denen sie surreale Traumwelten entstehen lässt.

Eine Lebenskrise brachte Doro Lehnen 2008 zur Fotografie. In einer Zeit voll aufgewühlter Gefühle, kreisenden Gedanken und gleichzeitiger Sprachlosigkeit suchte sie nach einem Ventil, um sich wortlos verständlich machen zu können - und entdeckte die Sprache der Bilder. Da sie sich gleichzeitig nach Ruhe sehnte, verbrachte sie von nun an jede freie Minute draußen mit ihrer Kamera.

Während Sie anfangs ihre Motive fast ausschließlich in der Natur fand, fasziniert sie derzeit mehr das Fotografieren in der Anonymität von Menschenmassen. „Nur Studiofotografie kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen“, sagt Lehnen. Ihre Bildideen entstehen immer vor Ort. „Ich lasse mich von den Motiven finden“, so die Fotografin weiter, „ich halte nur das Werkzeug in der Hand und lasse das Leben an mir vorüberziehen, um dann in für mich besonderen Momenten auf den Auslöser zu drücken.“

Als „Weltenspieglerin“, Lehnens Künstlername, reizt sie die Möglichkeit der Fotografie, die Schnelllebigkeit der Welt für ein paar Sekunden anzuhalten - auch wenn sie um die Vergeblichkeit dieses Tuns weiß: „Beim Blick durch den Sucher ist mir die Vergänglichkeit des Moments ständig vor Augen.“ Diese Beschäftigung mit dem Zauber des Moments fördere auch ihre menschliche Entwicklung: „Ich erlebe die Fotografie als eines der größten Geschenke meines Lebens.“

Mit der Aufnahme ist für Lehnen die Arbeit am Bild aber noch lange nicht zu Ende. Mit verschiedenen Ebenen, farblicher Gestaltung und dem Spiel mit Licht versucht sie, ihren Bildern noch ein Stück mehr Seele einzuhauchen: „Ich erarbeite jedes Bild - manchmal über Stunden - ganz individuell, denn was an Bearbeitung bei dem einen Bild passen mag, kann bei einem anderen vollkommen deplatziert sein.“ Was sich jedoch wie ein roter Faden durch Lehnens Schaffen zieht, ist die nachträgliche farbliche Verfremdung und surreale Wirkung ihrer Bilder. Bei aller Liebe zur Bildbearbeitung ist es Lehnen aber wichtig, die richtigen Fundamente wie Bildaufbau und Belichtung bereits bei der Aufnahme zu legen: „Aus der Sicht des Betrachters erhoffe ich mir, dass gerade die gezielte Unschärfe seine Sinne schärft und ihn dazu einlädt sich in einer Welt zwischen den Pixeln wieder zu finden.“

Auch wenn Doro Lehnen als „Weltenspieglerin“ eine große Fan-Gemeinde auf seen.by hat, sind die Erlöse aus dem Verkauf ihrer Fotografien nur ein Zuverdienst: „Noch bin ich weit davon entfernt von meiner Fotografie leben zu können, doch hier und da ein neues Objektiv, oder der Kauf einer guten Kamera lassen sich durchaus realisieren“, sagt sie. „Ich bin Mutter von drei Kindern und ich bin dankbar darüber, dass mein Mann in finanzieller Sicht die größeren Brötchen von uns beiden backt.“

Diese finanzielle Freiheit erlaubt es ihr, keinem Massengeschmack genügen zu müssen: „Natürlich freue ich mich über Erfolge und die Tatsache, dass ich meine Kunst zeigen, teilen und verkaufen darf. Doch ich würde niemals einem Trend folgen, der sich vielleicht gerade besonders gut vermarkten lässt. Für mich ist meine Authentizität unbezahlbar.“ Konstruktive Kritik ist ihr jedoch sehr wichtig, auch wenn sie es bewusst, nicht allen recht machen will: „Manchmal hat man als Fotografin auch einen blinden Fleck, deshalb pflege ich den regelmäßigen Austausch mit anderen Fotografen.“ Letztendlich sei sie selbst jedoch ihre strengste Kritikerin, sagt Lehnen.

Mit ihrer nicht ganz alltäglichen Fotokunst fühlt sich die Weltenspieglerin auf seen.by gut aufgehoben. Sie schätzt die strenge Auslese der Fotos im Vorfeld, da so der Bildbestand nicht ins Uferlose wachse. Auch lasse sich über seen.by ein größeres Publikum ansprechen, ohne sich selbst um das Marketing kümmern zu müssen: „Seit ich meine Bilder über seen.by vermarkte ist mein Bekanntheitsgrad doch sehr deutlich gestiegen.“ Auch die Möglichkeit, Drucke verkaufen zu können, ohne die digitalen Daten aus der Hand geben zu müssen, war für die Fotografin ein Kriterium: „Es ist mir wichtig, die unkontrollierte digitale Vervielfältigung meiner Werke zu unterbinden. Die Weitergabe meiner Fotos in Datei-Form lehne ich deshalb ab.“

Für das kommende Jahr hat sich Lehnen viel vorgenommen. Sie wird das Buch einer befreundeten Autorin mit bisher unveröffentlichten Fotos illustrieren. Und im Frühjahr ist ihre erste Ausstellung in einem kleinen Café in der Nähe von Hannover geplant.

Dr. Thomas Hafen für seen.by im Januar 2013

Homepage: www.weltenspieglerin.de

Copyright der Abbildungen: Doro Lehnen

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